Dienstag, 23. Mai 2017

Samstag, 27.05.2017: Eklektizismus

Am 27. 05. 2017 diskutieren wir über den EKLEKTIZISMUS: Eine Teilnehmerin hat dazu Texte zusammengestellt, die wir zum 
Ausgangspunkt unserer Diskussion nehmen.


Herzlichen Gruss
              


Wollen wir uns einmal mit dem „eklektischen Denken“ auseinandersetzen?

Ich bin fest davon überzeugt, dass es eine vierte Gruppe Menschen gibt, neben den 3 Kategorien, die Jason Brennan in seinem Buch „Gegen Demokratie“ schildert, nämlich die Hobbits (die politisch uninteressiert und nicht informiert sind und nicht abstimmen), die Hooligans (die wir überall sehen; solche, die nur ihre Meinung gelten lassen und die „Anderen“ ablehnen oder sogar angreifen), und die Vulkanier, die eigentlich die idealen Bürger wären: interessiert, informiert, solche die aktiv teilnehmen… von denen es aber leider sehr wenige gibt), das sind die 3 Gruppen laut Brennan, dann gibt es eine vierte, von ihm nicht zitierte  Gruppe, die EKLEKTIKER, die mal als Voyeurs, mal als Verräter betrachtet werden und deren Lebenseinstellung und Weltanschauung als opportunistisch gelten. Ja, was soll man von Menschen halten, die aus verschiedenen Ideen, Religionen, politischen Parteien, usw. nur das in ihren Augen Beste herauspicken, unabhängig davon, ob solche Bewegungen oder Ideologien offiziell als unvereinbar gelten? Da habt ihr die verschiedenen Definitionen von Eklektikern laut Duden:

1.      Philosoph, der aus verschiedenen philosophischen Systemen das Passende auswählt und zu einem eigenen System verarbeitet
2.       
1.      (bildungssprachlich abwertend) jemand, der keine eigenen Ideen entwickelt, sondern nur Gedanken, Stilelemente anderer für seine Werke, Theorien o. Ä. verwertet
2.      (bildungssprachlich) jemand, der aus bereits vorliegenden unterschiedlichen Ideen, Stilen o. Ä. etwas auswählt [und dadurch etwas Neues schafft]
Sind wir halt opportunistisch? feige? dumm? Sogar gefährlich?
Es würde mich freuen, über dieses Thema mit euch diskutieren zu dürfen, ich bin eine geborene und überzeugte Eklektikerin und weiss, wie schwierig es ist, KEINER bestimmten Ideologie oder Gruppe zu gehören, und gleichzeitig wie bereichernd es ist, überall und nirgends zu sein, ein bisschen von allem und nicht viel von etwas konkretem zu wissen und das (höchstwahrscheinlich trügerisches Gefühl zu haben, man könne immer etwas von jedem lernen und mit FAST jeder Situation klarkommen. Die Sozialakzeptanz ist aber sehr gering, und deswegen werden viele Eklektiker zu Tarnungsmeistern.  (Raquel Ruiz)

Eklektizismus
Griech. eklegein ›auswählen‹: Bezeichnung einer philosophischen Methode, bei der ein Autor seine Gedanken unterschiedlichen philosophischen Schulen und Richtungen entnimmt. Bei der Auswahl der einzelnen Gedanken lässt sich der Eklektiker weniger von systematischen Gesichtspunkten leiten als vielmehr davon, ob ihm die verschiedenen Inhalte jeder für sich sinnvoll und brauchbar erscheinen. Resultat dieser Vorgehensweise ist ein heterogenes Gebilde, dessen Grundgedanken zueinander in Widerspruch stehen. Die Bezeichnung Eklektizismus wird in einem abwertenden Sinn gebraucht. Historisch trat der Eklektizismus erstmals im Hellenismus auf. So berichtet Diogenes Laertius in seinem Leben und Meinungen berühmter Philosophen : »Übrigens trat erst vor kurzem noch eine eklektische Sekte auf unter Führung des Potamon aus Alexandreia, der sich aus den Lehren aller Sekten auswählte, was ihm gefiel.« Als eklektizistisch gelten beispielsweise die Schriften der antiken Philosophen Cicero und Karneades.
In jüngster Zeit, insbesondere auf den Gebieten von Kunst und Architektur, hat der Eklektizismus wieder eine positive Bedeutung erlangt. Die Kombination verschiedener Stile, der eklektizistische Umgang mit klassischen Traditionsbeständen gilt als eines der Grundmerkmale der so genannten Postmoderne.

2. Eklektiker

Auch die peripatetische Schule fand vereinzelte Anhänger, wie M. Piso und den bekannten Triumvirn Crassus. Aber nach Lage der Dinge fand am meisten Verbreitung diejenige Richtung, die sich das ihr Zusagende aus den verschiedenen Systemen heraussuchte: die eklektische. Hatte sich schon in den griechischen Philosophenschulen selbst allmählich eine starke Neigung zur Verschmelzung, Vermittlung und Vermischung geltend gemacht (vgl. § 43 und § 44), so geschah dies in noch stärkerem Maße durch die Römer, denen die Philosophie ja fast durchweg nicht Selbstzweck, sondern nur Zeichen allgemeiner Bildung und allenfalls Mittel sittlicher Klärung war. Der Typus dieser Eklektiker ist
a) Cicero. Der früheren Überschätzung Ciceros traten Mommsen und Drumann in ihren Geschichtswerken im allgemeinen vielleicht zu schroff entgegen, sodass die in neuerer Zeit dagegen eingetretene Reaktion (vgl. Zielinski, Cicero im Wandel der Jahrhunderte, Leipzig, 2. Aufl. 1908) eine gewisse Berechtigung hat. In bezug auf die philosophischen Leistungen dagegen hat Mommsens scharfes Urteil unseren Beifall. Von der zahlreichen Literatur erwähnen wir nur das Hauptwerk: R. Hirzel, Untersuchungen zu Ciceros philosophischen Schriften, 3 Bde., Berlin 1877-83.
M. Tullius Cicero (106-43) hatte als junger Studiosus zu Athen und Rhodus, wesentlich zum Zwecke seiner rednerischen Ausbildung, die Epikureer Phädrus und Zeno, die Stoiker Diodotus und Posidonius, die Akademiker Philo und Antiochus gehört, kehrte aber erst in den letzten drei Jahren seines Lebens, durch den Umschwung der politischen Verhältnisse zu unfreiwilliger Muße verurteilt, zu den philosophischen Studien seiner Jugend zurück. In diesem kurzen Zeitraum schrieb er eine Menge von philosophischen Büchern zusammen: ein erkenntnistheoretisches (die Academica), alle übrigen ethische (De finibus bonorum et malorum, Tusculanae disputationes. De officiis und einige kleinere, wie Laelius und Cato maior) oder theologische (De natura deorum, De divinatione, De fato). Eine Aufforderung zum philosophischen Studium enthält der früh geschriebene Hortensius; die rein rhetorischen und politischen Schriften übergehen wir. Über die Art seiner philosophischen Schriftstellerei gibt eine sehr offenherzige Äußerung an Attikus (Epist. ad Att. XII, 52) genügenden Aufschluß: »Es sind Abschriften, die mit ziemlich geringer Muhe zustande kommen; ich tue nur die Worte hinzu, die ich im Überfluß besitze.« In der Tat hat denn auch der Philologenfleiß des 19. Jahrhunderts zu fast allen diesen Schriften die griechischen Vorbilder aufgedeckt (siehe die Hauptergebnisse bei Ueberweg I, § 66). Cicero kommt in der Tat nur das Verdienst zu, wenn man es als ein solches betrachten will, seine Landsleute (und mittelbar auch uns) mit den Epigonen der griechischen Philosophie in geschmackvoller, aber auch recht oberflächlicher, häufig irreführender Darstellung zuerst bekannt gemacht zu haben. Plato und Aristoteles kennt er nur höchst ungenügend, schwierige Probleme läßt er am liebsten beiseite, scharfe und genaue Begriffsbestimmungen sind ihm zuwider. In der Erkenntnistheorie schließt er sich der seiner Denkart gemäßen Wahrscheinlichkeitslehre der mittleren und neueren Akademie als der »bescheidensten, folgerichtigsten und elegantesten Art zu philosophieren« an. Für die Physik interessiert er sich nur, insoweit sie mit dem Gottesglauben in Beziehung steht. Auf seinem Lieblingsfelde, der populären Ethik, begnügt er sich jedoch nicht mit der akademischen Wahrscheinlichkeitslehre, sondern neigt mehr den Stoikern zu, auf deren »angeborene Begriffe« und den »consensus gentium« als Beweismittel sich stützend. Doch schwankt er auch hier vielfach zu den gleichfalls benutzten Akademikern und Peripatetikern hinüber; nur die Epikureer werden verworfen. Das wichtigste sittliche Problem ist ihm, wie der ganzen nachklassischen Philosophie, das Verhältnis der Tugend und des Sittlich-Guten (lateinisch honestum: des Ehrenhaften) zur Glückseligkeit, nächstdem das der Willensfreiheit, während er auf religiösem Gebiete die göttliche Vorsehung und die Unsterblichkeit der Seele mit warmen Worten verteidigt. Von ernster Methode kann bei Ciceros philosophischem Dilettantismus keine Rede sein. Ein formales Verdienst aber ist ihm, außer der leicht faßlichen Behandlung, jedenfalls zuzuerkennen: dass er der Schöpfer der philosophischen Terminologie für die Römer gewesen ist. Dadurch ist er der nächst Aristoteles wichtigste philosophische Lehrer des Mittelalters geworden.
b) Varro. Ciceros Freund, der gelehrte Polyhistor und Vielschreiber M. Terentius Varro (116-27 v. Chr), war ein literarisches Original, aber philosophisch herzlich unbedeutend. Die Beschäftigung mit theoretischen Philosophemen als völlig eitel verspottend, sah er die Beglückung des Menschen als den einzigen Zweck des Philosophierens an. Von ganz äußerlichen Gesichtspunkten aus unterschied er nicht weniger als 288 philosophische Richtungen! In der Ethik schloß er sich im ganzen seinem Lehrer Antiochus (§ 43) an, neben den akademischen auch stoische und einzelne pythagoreische Lehren heranziehend. Gleich Cicero huldigte er der Lehre von der dreifachen Religion (s. Panätius). Seine »menippischen Satiren«, so genannt nach dem im 3. Jahrhundert lebenden Zyniker Menippos, verspotteten mit zynischer Derbheit die moderne Überkultur. - M. Brutus (der Verschworene) wird als Stoiker in der Ethik, sonst Akademiker bezeichnet.
c) Kurze Zeit blühte um den Anfang der christlichen Zeitrechnung zu Rom die Schule der Sextier, deren bedeutendste Glieder Q. Sextius Vater und Sohn und der griechisch schreibende Alexandriner Sotion, Senekas Lehrer, waren. Das Ansehen der Sextier beruhte wohl mehr auf ihrem würdevollen, von sittlichem Ernste erfüllten Auftreten als auf der Eigenart ihrer Lehre, die der stoischen nahe stand, in Sotion auch altpythagoreische Elemente (tägliche Selbstprüfung, Seelenwanderung, Enthaltung von Tiernahrung) in sich aufnahm. Auch das Urchristentum knüpfte an sie an. Mehrere, aus der Zeit vor 200 n. Chr. stammende, christliche Überarbeitungen von »Sinnsprüchen des Sextus« in griechischer, lateinischer und syrischer Sprache sind vorhanden.


Eklektizismus Als Eklektizismus (von griech. ἐκλεκτός, eklektos, „ausgewählt“) bezeichnet man Methoden, die sich verschiedener entwickelter und abgeschlossener Systeme (z. B. Stile, Philosophien) bedienen und deren Elemente neu zusammensetzen. Im Falle von Religionen spricht man jedoch eher von Synkretismus als von Eklektizismus. Eklektizismus in der Kunst Der Eklektizismus ist kennzeichnend für die Stilrichtungen der europäischen Kunst seit Beginn des Historismus. Als Kunstverfahren ist Eklektizismus in der Postmoderne für die kritische Reflexion über vorhandenes Material von Bedeutung. Ein Beispiel für Eklektizismus in der Architektur: St. Augustin in Paris. Die Fassade mit Fensterrose und Skulpturengalerie folgt dem gotischen Stil, die Kuppel orientiert sich dagegen an Renaissance-Vorbildern Die Bezeichnung eklektisch oder eklektizistisch bezieht sich auf ein einzelnes Kunstwerk, in dem verschiedene vergangene Stile verarbeitet sind.[1] Im Hinblick auf die jeweilige künstlerische Qualität ist zwischen Imitation und eigener Weiterentwicklung zu unterscheiden. Der Begriff kann mit einer negativen Betonung versehen sein, wenn der Künstler anstelle einer eigenen Kreation unschöpferisch Elemente aus anderen Werken auswählt und zu einem neuen Werk zusammenfügt. Eklektizismus in der Philosophie Der Begriff ist bereits in der Antike, etwa zur Zeitenwende, geprägt worden. Damals existierten verschiedene Philosophenschulen nebeneinander und es gab Denker und Politiker, die als Eklektiker bezeichnet wurden, weil sie Elemente der unterschiedlichen Positionen miteinander verbanden. 

Der berühmteste Vertreter dieser Richtung war Cicero. Er übernahm besonders in seinen ethischen Vorstellungen im Wesentlichen die Lehren der Stoiker, wobei er auch Werte der Akademie und des Peripatos einfließen ließ. Eklektizismus in der Geisteswissenschaft In den Geisteswissenschaften charakterisiert der Begriff die Methode, aus Versatzstücken unterschiedlicher Systeme, Theorien oder Weltanschauungen eine neue Einheit zu bilden. Auch hier wird der Terminus in der Regel abwertend verwendet. Dies verrät eine Bevorzugung in sich abgeschlossener, isolierter Theorien gegenüber der Selektion zutreffender Aussagen aus verschiedenen Theorien bei Nichtübernahme widerlegter Elemente.

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